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Widerspruch mit Selbstermächtigung

    Sachsen-Anhalt ist zum Seismograf für Veränderung geworden. Es hat ein politisches Signal ausgesandt, das über das Land hinausweist. Die AfD ist mit mit Ulrich Siegmund mit 43,8 Prozent stärkste Kraft. Die Warnung, dass hinter der Brandmauer der Teufel lauert, wurde von der Bevölkerung ignoriert und souverän übersprungen (tagesschau.de).  Für viele Wähler ist es ein Signal der Befreiung. Aus dem Ghetto der politisch geforderten und Medical unterstützt Ghetto herausgetreten. Und das hat eine verständliche Geschichte.

    Ulrich Siegmund – das Gesicht des Widerspruchs

    Siegmund ist das Gesicht eines Widerspruchs gegen etablierte politische und mediale Institutionen. Wir lassen uns nicht mehr belehren. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Siegmund kündigte an, den Brandmauer Aprologeten der Medien die Staatsverträge kündigen und einen „Grundfunk“ zu schaffen. Dahinter steht die Stimmung eines Teils der Wählerschaft die die Wahlanalyse signifikanter beschreibt als Mengenbeschreibungen. Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass ihre Meinung von Politik und Medien nicht ernst genommen wird, kann aus Widerspruch Protest werden – und aus Protest eine Wahlentscheidung.

    „ostdeutsche Interessen“ als wichtiges Thema ihrer Wahlentscheidung.

    Siegmunds Thema spielte für den Erfolg seiner Partei eine große Rolle. (tagesschau.de) denn  36 Prozent nannten  so, ARD Wahlanalyse das den Grund für ihr Kreuzchen bei der AfD.  Wenn die Bevölkerung spürt, dass ihre Interessen nicht mehr für wichtig genommen werden, dann, so AfD, hat die Partei ihre Legitimation verloren. Die Erfahrung lehrt, dann ist es Zeit für Selbstermächtigung. Damit berührt die Gegenwart eine besondere ostdeutsche Erfahrung.

    Die Erfahrung der DDR

    Vier Jahrzehnte DDR bedeuteten auch vier Jahrzehnte eines Staates, der politische Wahrheit beanspruchte und Widerspruch begrenzte. 1989 kehrten die Bürger dieses Verhältnis um. Aus Untertanen wurden Demonstranten.Der entscheidende Satz hieß: „Wir sind das Volk.“ Die Botschaft war: Nicht die Obrigkeit spricht für uns. Wir sprechen selbst.

    Die heutige Bundesrepublik mit freien Wahlen, Opposition und freien Medien ist mit der DDR nicht gleichzusetzen. Aber die historische Erfahrung des Widerspruchs verschwindet nicht. Es gibt einen endlichen Seismograph bei politischer Bevormundung – oder bereits das Gefühl, bevormundet zu werden.

     Der Widerspruch hat Tradition

    Und selbst 1989 war nicht der Anfang.
    Auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt liegen zentrale Schauplätze von Reformation und Bauernkrieg.

    Martin Luther stellte kirchliche Autorität infrage. Thomas Müntzer ging weiter und verband religiöse Erneuerung mit gesellschaftlichem Aufbegehren. Im Bauernkrieg von 1525 wurde daraus eine Erhebung gegen die bestehende Ordnung. (Kulturland Sachsen-Anhalt) Luther, Müntzer, die Bürger von 1989 und dagegen Ulrich Siegmund dürfen politisch und historisch nicht gleichgesetzt werden.

    Aber durch sehr unterschiedliche Epochen zieht sich ein Motiv: „Autorität wird nicht einfach hingenommen. Widerspruch beansprucht sein Recht. Und irgendwann wird aus Unzufriedenheit Protest.“

    Sachsen-Anhalt als Seismograf

    Vielleicht liegt genau hier die größere Bedeutung des Wahlergebnisses. Nicht: Sachsen-Anhalt zeigt Deutschland, wohin es gehen muss. Sondern: Sachsen-Anhalt zeigt Deutschland, was sich unter der Oberfläche bewegt.

    Der Koalition von Union und den Sozialdemokraten ist das Gespür dafür verloren, dass Bürger in wirtschaftspolitischen Fragen links sein können, in gesellschaftspolitischen Orientierung aber immer öfter konservativ denken.“Wir sind das Volk, wir wollen selbst gehört werden und selbst entscheiden.“

    Das Gefühl will eine Richtung erkennen.

    Das Unbehagen geht über Sachsen-Anhalt hinaus. Denn es fehlt eine Perspektive jede Erzählung die der Zukunft eine Hoffnung und Struktur gibt.

    Elmar Theveßen Korrespondent in Washington bringt es auf den Punkt. Seine Persönliche Meinung zum Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag 6. September 2026: dann müsste es jetzt endlich kapieren und das was notwendig ist: Es braucht eine Vision eine Strategie, Maßnahme und ein überzeugendes Narrativ, das adressiert, dass die Grundbedürfnisse der Wähler der Menschen im Land tatsächlich eben mit einer guten Politik abgedeckt werden und alles andere ist Sahnehäubchen erst mal sondern die Grundbedürfnisse. Die müssen befriedigt werden.

    Und Francis Fukuyama weiß es schon lange: Menschen rebellieren nicht nur wegen materieller Not, sondern vor allem wegen fehlender Anerkennung, Würde und Bedeutung. Und ergänzend in Richtung.

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