Europa hat seine Schwäche erfolgreich gepflegt – denn Europa hat Macht dem Konsens geopfert. Es lobt Vielfalt und erntet Handlungsunfähigkeit. Das EU-Einstimmigkeits-Prinzip lähmt Entscheidungen, hat grosses Erpressungspotenzial und schwächt die Macht zur Durchsetzung der EU-Interessen. Macht ist die Ordnung des Athener Aristokraten Thukydides. Seine Erkenntnis: „Die Starken tun, was sie können, und die Schwachen erleiden, was sie müssen“. Wes Opfer wollen wir sein, A) des eigenen Nicht-Tuns oder B) der autokratischen Gegner?

Die Russen und die Amerikaner besitzen ein untrügliches Gespür für Macht und die Schwächen der EU. Der USA Außenminister und Trump-Verstärker Marco Rubio, gibt am 16.2.2026 anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz eine Nachhilfestunde: „Der Westen soll sich nicht länger primär über universelle Normen definieren, sondern über Macht, Souveränität und zivilisatorische Selbstbehauptung“. Ist unsere regelbasierte Weltordnung ein geriatrisches EU-Auslaufmodell?
Die Welt durchlebt einen Politikwechsel – weg von Demokratien, hin zu Autokratien. Laut V-Dem-Bericht 2025 gibt es inzwischen mehr autokratische Staaten (91) als demokratische (88). Autokratien entscheiden schneller, bündeln Macht und setzen ihre Interessen sichtbar durch. Die EU-Verfassung fordert das Einstimmigkeit-Prinzip, der Kompromiss wird nun zum Ziel der EU-Politik. Die Interessen der 27 Nationalstaaten fördern damit die Langsamkeit. und noch mehr…
Die Brüsseler Kompromissmaschine
Die Einstimmigkeit als Verfassungsrang – die Zwillingsschwester jedoch ist die strategische Verdünnung, etwa in der Außen- und Sicherheitspolitik. Darum werden politische Vorhaben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert, beispielsweise bei der ungleichen Nord-Süd-Lastenteilung im Rahmen der Unterstützung der Ukraine oder beim wiederholten Aufweichen gemeinsamer Sanktionen durch einzelne Mitgliedstaaten wie Ungarn oder die Slowakei. Hier ist sogar eine Erpressungsstrategie am Werke. Um politische Durchsetzungskraft zu stärken, muss die EU-Verfassung geändert werden.
Europas rechte Parteien wachsen
Der Aufstieg rechter Bewegungen ist weniger Ursache als Symptom einer wahrgenommenen politischen Lähmung. In ihrer Oppositionsrolle bieten sie kein tragfähigeres Ordnungsmodell, wohl aber das Versprechen von Klarheit, Entschlossenheit und unmittelbarer Handlungsfähigkeit. Ihre Stärke liegt in der Reduktion komplexer Probleme, ihre Gefahr in der Erosion rechtsstaatlicher Bindungen. Wo demokratische Verfahren als Schwäche oder gar als politische Selbstentmündigung erscheinen, inszenieren sie Autorität als Stärke. Wie kommt Europa aus dieser Defensive?
Die Macht als Ordnungsprinzip
Europa braucht zweierlei:
eine Änderung der Verfassung zum Thema Einstimmigkeit und eine zivilisatorische Erzählung als verbindende Idee mit kultureller Kontinuität und positive Einschätzung der Zukunft. Das Ziel, ist nicht Macht als Selbstzweck, sondern als thukydideisch skizzierten Weg, um Europas liberale Idee durchzusetzen.
Erstens: Europa schützt sich selbst – technologisch, militärisch, energetisch.
Wirkung nach Innen: Bürger akzeptieren Macht, wenn sie Sicherheit schafft.
Wirkung nach Außen: Nur wer sich verteidigen kann, wird ernst genommen.
Formel des Erfolges: Freiheit braucht Verteidigungsfähigkeit.
Zweitens: Europa wird führend bei KI, Quantenforschung, Fusionsenergie, Biotech und Raumfahrt.
Wirkung nach Innen: Macht wird akzeptiert, wenn sie Zukunft schafft.
Wirkung nach Außen: Technologische Führerschaft erzeugt Abhängigkeiten – reale Macht.
Formel des Erfolges: Wer Technologie kontrolliert, gestaltet Ordnung.
Drittens: Europa garantiert Freiheit, Eigentum und Rechtsstaat.
Wirkung nach Innen: Macht wird akzeptiert, wenn sie fair ist.
Wirkung nach Außen: Der europäische Rechtsraum wird zum attraktivsten der Welt.
Formel des Erfolges: Macht wird berechenbar.
Deutschland kommt als primus inter pares eine Schlüsselrolle zu. Als historischer Ursprung europäischer Bedenken vor Machtmissbrauch ist es zugleich gefordert, Führung zu zeigen und neues Denken zu initiieren.
Nach der Münchner Sicherheitskonferenz sollte die Erkenntnis reifen, dass thukydideische Einsichten als strategischer Leitfaden dienen müssen. Europa muss einen „Mach-3-Gang“ einlegen, um neben Amerika, China und Russland neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Europa darf kein moralpädagogisches Projekt bleiben, sondern muss zu einer Gemeinschaft werden, die ihre Macht nutzt um durchsetzt.
